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Todesstrafe in Saudi-Arabien: Pazifist Nimr Baker al-Nimr wurde exekutiert

03 Jan, 2016

Sein Kampf gegen die Unterdrückung von Schiiten durch das saudische Königshaus kostete Nimr al-Nimr das Leben. Seine Exekution bedroht Saudi-Arabiens Stabilität.
Ungehorsam gegenüber dem Herrscherhaus, so lautet die offizielle Begründung des saudi-arabischen Königshauses für die Exekution von Nimr Baker al-Nimr. Mit ihm wurden 46 weitere Häftlinge hingerichtet, die wegen Beteiligung an Anschlägen der Islamisten-Organisation Al-Kaida in den Jahren von 2003 bis 2006 zum Tode verurteilt worden waren. Doch keine der Exekutionen löste so viel Empörung aus, wie die des Klerikers Nimr. Wer war der bekannteste schiitische Geistliche Saudi-Arabiens, dessen Hinrichtung in vielen Ländern wütende Reaktionen hervorrief?

Weltweit bekannt wurde der nun im Alter von 56 Jahren hingerichtete Nimr als ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Während der Proteste des Arabischen Frühlings 2011 unterstützte er die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa, wo ein Großteil der etwa zwei Millionen Schiiten des sunnitischen Königreiches Saudi-Arabiens leben. In den Schiitengebieten kommt es immer wieder zu Unruhen, die die sunnitische Landesführung mit aller Macht zu unterdrücken sucht. So wurde auch Nimr von der Führung wegen der Anstiftung eines Aufruhrs in Katif verurteilt. Seine Festnahme im Juli 2012 löste Proteste der Schiiten aus, bei denen zwei seiner Anhänger getötet wurden.

Nimr, der in den achtziger Jahren knapp zehn Jahre im Iran den schiitischen Islam studiert hatte und nach einigen Angaben den Titel Ajatollah trug, war der saudi-arabischen Führung schon vorher ein Dorn im Auge. Lange war er Freitagsprediger in der schiitischen Stadt al-Awamiya und rief immer wieder zu Protesten gegen die Diskriminierung von Schiiten auf. Seine schnell wachsende Bekanntheit rief im Königshaus in Riad immer heftigeren Argwohn hervor. Mehrfach wurde er schon vor den Protesten des Arabischen Frühlings verhaftet.

Nimr wurde während seiner Verhaftung 2012 verletzt, während seiner Haft starb seine Frau Muna Jabir al-Shariyavi in einem Krankenhaus in New York, woraufhin Nimr in den Hungerstreik trat. All das steigerte seine Bekanntheit abermals.

Im Oktober 2014 wurde Nimr wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt, Ende Oktober 2015 wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt. Bislang wurde jedoch angenommen, dass der saudi-arabische König das Todesurteil in eine langjährige Freiheitsstrafe umwandeln würde. Eine Berufung war ebenso möglich wie, im Falle einer Bestätigung des Urteils, eine Begnadigung durch den König.

Obgleich das Königshaus Nimr als “radikal” bezeichnet hat, plädierte der Geistliche wiederholt für Gewaltlosigkeit. Während der Demonstrationen 2011 rief er ausdrücklich zum Gewaltverzicht auf. Dies zeigen auch in der arabischen Zeitung al-Akhbar veröffentlichte Auszüge aus seinen Forderungen an Demonstranten in Katif. In einem BBC-Interview sagte Nimr, dass “Märtyrertum” die stärkste Waffe sei. Das “Brüllen der Worte” sei “stärker als Schwerter”.

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