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Fluchtgrund Staatsterror

27 Dez, 2015

Zehntausende fliehen aus kurdischen Gebieten der Türkei vor Gewalt

Es sind Bilder, die an einen Bürgerkrieg erinnern: Brennende Häuser nach Granatbeschuss, Panzer, die durch Wohngebiete rollen, weinende Menschen, die weiße Fahnen schwenken und Verwundete durch die Straßen tragen. Die türkische Regierung eskaliert den Konflikt mit der kurdischen Bevölkerung im Südosten des Landes, ohne jede Rücksicht auf zivile Opfer. Alleine in den ersten zwei Tagen dieser Woche kamen laut Meldungen der Nachrichtenagentur Firat mehr als ein Dutzend Unbeteiligte in Silopi, Cizre und Nusaybin ums Leben. Wie viele Menschen insgesamt während des seit Wochen andauernden Belagerungszustandes getötet wurden, kann bislang nicht endgültig festgestellt werden.

Die Versorgung mit Lebensmitteln, Strom und Wasser kann an vielen Orten nicht mehr gewährleistet werden, die Bewegungsfreiheit ist extrem eingeschränkt. Medizinische Hilfe wird von den Sicherheitskräften blockiert. Die äußerste Brutalität des Vorgehens von Sondereinheiten und Militär führt nun zu einer Massenflucht innerhalb der kurdischen Gebiete. Türkische Medien berichten von Zehntausenden Menschen, die vor der Gewalt fliehen. Songül Karabulut, Exekutivratsmitglied des Kurdistan-Nationalkongresses (KNK), geht im Gespräch mit dem Informationszentrum »Civaka Azad« sogar von Hunderttausenden Vertriebenen aus.

Unter diesen Vorzeichen, so Karabulut, seien die Verhandlungen der EU mit dem Autokraten Recep Tayyip Erdogan und seiner AKP zur Flüchtlingsfrage besonders absurd: »Während die EU mit der Türkei darüber debattiert, wie der Flüchtlingsstrom nach Europa gestoppt werden kann, befinden sich über 200.000 Menschen in den kurdischen Gebieten der Türkei auf der Massenflucht. In den 1990er Jahren wurden Dörfer verbrannt und entvölkert. Nun wird dieselbe Kampfplanung dieses Mal auf ganze Stadtteile übertragen.«

Inmitten der sich verschärfenden Bürgerkriegssituation besuchte am Mittwoch der Kovorsitzende der linken kurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtas, den russischen Außenminister Sergej Lawrow in Moskau. Beide Seiten versicherten einander, dass der Konflikt zwischen Russland und der Regierung in Ankara nicht zu einem feindlichen Verhältnis zwischen den Bevölkerungen beider Länder führen solle: »Unsere Haltung gegen die türkische Regierung wird nicht auf die Bevölkerung der Türkei ausgeweitet werden«, versicherte Lawrow dem kurdischen Oppositionspolitiker.

http://www.jungewelt.de/2015/12-24/017.php

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